Die Hormondiagnostik aus dem Speichel (Saliva) bietet viele Vorteile:
Die Speichelbildung erfolgt in den Speicheldrüsen (Glandulae salivariae). Es gibt außer mikroskopische kleinen Speicheldrüsen der Mundschleimhaut drei paarig angelegte große Kopfspeicheldrüsen:
Glandula parotis ( Ohrspeicheldrüse), Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse) und Glandula sublingularis ( Unterzungenspeicheldrüse). In den Drüsen werden täglich 500 bis 1500 ml Speichel gebildet und in die Mundhöhle abgegeben. Der Speichel übernimmt eine Verdauungsfunktion, indem beim Einspeicheln der Speisen eine enzymatische Kohlenhydratspaltung erfolgt. Weiterhin weist der Speichel durch das Spülen der Zähne und der Mundschleimhaut, sowie durch die Abgabe von antibakteriell wirksamen Substanzen eine Schutzfunktion auf (3).
Hormondiagnostik-Speichel – Es ist ein permanenter Austausch zwischen Blut und Speichel zu verzeichnen, indem Moleküle vom Blut in Richtung Speichel diffundieren. Diese werden entweder durch den Interzellularraum der sekretproduzierenden Zellen (Acinuszellen) oder durch Poren der Zellmembran gefiltert. Allerdings ist der Übergang abhängig von der Molekülgröße. Da proteingebundene Hormone zu groß für die Filterpassage sind, können Sie nicht in den Speichel übertreten. Anders verhält es sich mit den ungebundenen Hormonen. Ihre Molekülgröße ist anhand der geringen Größe passierfähig. Weiterhin ist auch die Polarität der Moleküle entscheidend für den Übertritt in die Saliva. So können nur unpolare Teilchen die Blut-Speichel-Schranke überqueren.
Daher lassen sich nicht alle Hormone im Speichel bestimmen. Zu den reproduzierbar gemessenen Hormonen im Speichel zählen die Steroidhormone Cortisol, DHEA, Testosteron, Progesteron, 17ß-Östradiol, Östriol und das Schlaf-Hormon Melatonin (4).
Steroidhormone (z.B. Cortisol, DHEA, Oestriol, Progesteron, Testeron, etc.) sind zu 95-99% im Blut an Proteine gebunden. In gebundener Form sind die Hormone biologisch inaktiv. Um eine spezifische Hormonaktivität zu ermitteln, ist es nötig, die Konzentration freier Hormone zu bestimmen, wie es bei der Speicheldiagnostik der Fall ist. Aufgrund der indirekten Kopplung der Aktivität und Konzentration vieler Steroidhormone an die Aktivität der Hypophyse, unterliegen diese Hormone auch tageszeitlichen und zirkadianen Schwankungen.
Einzelne Messwerte sind daher ungeeignet, eine zuverlässige Aussage über eventuelle pathologische Veränderungen oder der Hormonkonzentration zu treffen. Besser geeignet ist hierfür ein Hormon-Tageprofil (2).
Hormondiagnostik-Speichel
Um eine aussagekräftige Diagnostik zu erhalten, ist es essentiell, bestimmte Vorgaben einzuhalten.
Um eine Beeinflussung der Blutzuckerspiegel-stabilisierenden Hormone zu vermeiden, sollte die Speichelprobe im nüchternen Zustand gewonnen werden. Dazu zählen auch zuckerhaltige Getränke, Kaffee oder Tee. Wasser kann bis zu fünf Minuten vor Probengewinnung getrunken werden.
12 Stunden vor Probengewinnung sollte auf den Verzehr tierischer Produkte verzichtet werden.
Die Inhaltsstoffe der genannten Produkte können die Speichelprobe eventuell verfälschen. Auch sind durch scharfkantige Bonbons Verletzungen der Mundschleimhaut möglich. Das austretende Blut kann die Probe unbrauchbar machen.
Auch beim Zähneputzen ist die Gefahr der Schleimhautverletzung gegeben, was zu einer Probenverfälschung, bzw. zu einer unbrauchbaren Probe führen kann. Daher sollten die Zähne erst nach den Speichelproben geputzt werden.
Während der Speichelprobe sollte gänzlich auf körperliche Anstrengung ( Sport, Sexualverkehr, etc.) verzichtet werden (4).